Was für eine Entwicklung innerhalb weniger Monate: Im Herbst 2025 feierte Felicita Simoncic ihr internationales Grand-Prix-Debüt, nun steht die 21-jährige Wienerin bereits im österreichischen Aufgebot für die FEI World Championships im Rahmen der Multi-WM in Aachen (11. bis 23. August). Gemeinsam mit ihrem Hengst Four Legends bildet sie das österreichische Dressurteam – und ist zugleich die einzige Vertreterin Wiens über alle Pferdesportdisziplinen hinweg.
Neben Simoncic werden Ulrike Prunthaller (ST) mit Fleur TSF, Peter Gmoser (B) mit Dante’s Daiquiri und Bettina Kendlbacher (ST) mit Broadmoars Don Alfredo AWÖ Österreich bei den Weltmeisterschaften vertreten. „Als ich erfahren habe, dass ich fix dabei bin, sind mir sofort die Tränen gekommen. Vor einem Jahr hätte ich nie gedacht, dass ich so schnell bei einer Weltmeisterschaft starten würde. Jetzt möchte ich diese Chance einfach genießen, gemeinsam mit meinem Pferd schöne, korrekte Runden zeigen und alles wertschätzen, was wir uns gemeinsam erarbeitet haben“, berichtet Simoncic.
Eine emotionale Achterbahnfahrt mit Happy End
Die vergangenen Monate waren für die Wienerin alles andere als geradlinig. Nach ihrem beeindruckenden internationalen Grand-Prix-Einstieg in der Arena Nova im Oktober 2025 – damals ritt sie bei ihrem ersten Drei-Sterne-Grand-Prix mit Four Legends alias „Fipsi“ sensationell auf Rang zwei – folgte schrittweise der Übergang zu den „Großen“. Als aktuelle Nummer 78 der Weltrangliste und als beste U25-Reiterin der Welt im Mai dieses Jahres sammelte Österreichs Zukunftshoffnung wertvolle Erfahrungen, musste dabei aber auch lernen, mit Rückschlägen umzugehen.
„Es war eine riesige emotionale Achterbahnfahrt. Einmal läuft alles perfekt, dann wieder gar nicht. Gerade weil mir auf diesem Niveau noch die Erfahrung fehlt, war das oft eine große Herausforderung. Aber genau daran bin ich gewachsen – sportlich und vor allem mental. Ich habe gelernt, unter Druck besser zu funktionieren und an mich selbst zu glauben“, beschreibt die 21-Jährige ihren Weg nach Aachen.
Besonders emotional verlief die Qualifikationsphase. Während Felicita Simoncic nach ihrem Grand Prix beim CDI Achleiten I im Juni selbst befürchtete, der Traum von Aachen könnte platzen, zeigte sie beim Reiterhof Stückler das genaue Gegenteil: Unter enormem Druck rief sie ihre Leistung punktgenau ab und bewies, wie sehr sie sich auch mental weiterentwickelt hatte. Rückblickend sieht sie genau darin einen entscheidenden Entwicklungsschritt. „Früher hat mich Druck oft blockiert. Diesmal wusste ich, dass ich liefern muss – und genau das ist gelungen. Das war für mich persönlich wahrscheinlich der größte Fortschritt.“
Four Legends – vom Sportpartner zum Herzenspferd
Ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg ist die außergewöhnliche Partnerschaft mit Four Legends. Der Hengst kam erst vor rund dreieinhalb Jahren zu Simoncic – damals als hoch veranlagtes, aber äußerst temperamentvolles Pferd. Gemeinsam entwickelte sich das Duo Schritt für Schritt zu einem eingespielten Team. „Am Anfang war er extrem heiß und kaum zu bremsen. Heute ist er unglaublich fein zu reiten. Noch schöner ist aber, wie sehr sich sein Wesen verändert hat. Früher wollte er in der Box kaum etwas mit Menschen zu tun haben. Heute kommt er sofort angelaufen, wenn er mich hört, und genießt jede Streicheleinheit. Diese Bindung bedeutet mir fast genauso viel wie unsere sportlichen Erfolge.“
Mit genau diesem Vertrauen möchte Simoncic nun auch in Aachen auftreten. Große Ergebnisziele setzt sie sich bewusst nicht. „Der Kampf um die Qualifikation ist vorbei. Jetzt möchte ich die Atmosphäre aufsaugen, den Moment genießen und für Österreich eine schöne Runde zeigen. Wenn ich ohne Druck reiten kann, gelingt mir meist auch mein bestes Reiten.“
Dass sie als einzige Wiener Athletin aller Pferdesportsparten bei der Multi-WM an den Start geht, erfüllt Simoncic mit Stolz – verbunden mit einem Wunsch für die Zukunft. „Natürlich freue ich mich, Wien vertreten zu dürfen. Gleichzeitig hoffe ich, dass künftig noch mehr Reiter:innen aus Wien den Sprung auf dieses Niveau schaffen. Wenn ich dafür ein kleines Vorbild sein kann, macht mich das besonders stolz.“
